Burnout-Erklärungsansatz nach Pines, Aronson & Kafry
Erklärungsansatz nach Pines, Aronson und Kafry
Die Autoren Pines, Aronson und Kafry (1993) unterscheiden zwischen Ausbrennen (Burnout) und Überdruss, zwei Zuständen die sich zwar in ihren Symptomen ähneln, jedoch verschiedenen Ursprungs sind. Beide sind gehäufte Reaktionen auf Erschöpfung. Überdruss kann aus jeder chronischen Belastung (geistiger, körperlicher oder emotionaler Art) entstehen; das Ausbrennen ist das Resultat andauernder oder wiederholter emotionaler Belastung im Zusammenhang mit langfristigem, intensivem Einsatz für andere Menschen. (Quelle: Pines und Mitarbeiter, 1993, Seite 25)
Überdruss und Ausbrennen
Trotzdem Pines, Aronson und Kafry Überdruss und Ausbrennen (Burn-out) als zwei unterschiedliche Zustände verschiedenen Ursprungs beschreiben, sind sie nicht eindeutig voneinander zu trennen. Überdruss wird lediglich als allgemeineres Syndrom verstanden, welches nach Meinung der AutorInnen meist allmählich aus den typischen Widrigkeiten sowie dem chronischen Stressdes täglichen Berufs- und Privatlebens entsteht und zwar dann, wenn die negativen, die positiven Aspekte überwiegen. Pines, Aronson und Kafry sehen Überdruss als typisch für die Arbeit in bürokratischen Organisationen (Quelle: Pines und Mitarbeiter, 1993, Seite 81 ff.). Die AutorInnen weisen darauf hin, dass es klar sein sollte, dass das Syndrom des Ausbrennens (Burnout-Syndrom) auch fast immer Überdruss mit umfasst. Die Differenzierung der beiden Begriffe im Konzept von Pines und Mitarbeitern dient scheinbar lediglich der Abgrenzung von helfenden gegenüber nicht helfenden Berufen bezüglich ihrer Beanspruchungsreaktionen. Zum Einfluss sowohl der Persönlichkeitsmerkmale als auch der Umweltbedingungen auf die Entstehung eines Burnout, beschreiben die AutorInnen Folgendes:
Individuelle Unterschiede beeinflussen auch Überdruss und Ausbrennen. Die Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und verschiedene Ansichten über das Leben; sie beurteilen Stress aller Arten unterschiedlich (…). Alle diese und noch andere intervenierende Variablen beeinflussen, wann das Ausbrennen einsetzt, wie lange es anhält und wie schwerwiegend die Folgen sind. Seine Ursachen dagegen sind in den meisten Fällen nicht in der Persönlichkeit, sondern in deren Umwelt zu suchen. (Quelle: Pines und Mitarbeiter, 1993, Seite 44)
Laut Pines, Aronson und Kafray sind vor allem stressige arbeitsorganisatorische Bedingungen für die Entstehung von Burnout verantwortlich. Zu diesen Bedingungen zählen sie:
- einen geringen Handlungs- und Entscheidungsspielraum der Person
- eine geringe Flexibilität der Organisation
- schlechte Rahmenbedingungen
- ein zu geringes Ausbildungsniveau
- zu viele Aufgaben
- das Fehlen sozialer Unterstützung
- ein Mangel an Feedback
Merkmale des Ausbrennens
Als individuelle Ursachen des Ausbrennens (Burnout) benennen die Autoren drei typische Merkmale, welche ihrer Meinung nach alle Helfern gemeinsam haben und die sich häufig als ursächlich für das Ausbrennen in helfenden Berufen darstellen. Zu diesen Merkmalen zählen die AutorInnen neben der emotional belastenden Arbeit und gewissen Persönlichkeitsmerkmalen der Helfenden, die klientenzentrierte Orientierung.
Wie ein Mensch auf eine Krise reagiert hängt nach Meinung der AutorInnen von der komplexen Kombination individueller, als auch umweltbedingter beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Variablen ab. Jeder Mensch erlebt Überdruss und Ausbrennen auf andere Weise, und jeder reagiert anders auf ein solches Erlebnis, weil jeder sich auf seine Art mit dem unvermeidlichen Stress im Berufs- und Privatleben auseinandersetzt. (Quelle: Pines und Mitarbeiter, 1993, Seite 43)
Stress-Theorie
Auch Pines und Mitarbeiter orientieren sich an der Stress-Theorie von Richard Lazarus und erklären, dass die Auswirkungen umweltgegebener Bedingungen auf den Menschen von seiner jeweiligen kognitiven Einschätzung abhängen. Sie nehmen an, dass „die eigenen Gedankengänge bestimmen, wir ein bestimmtes Umweltereignis wahrgenommen wird. Die Experten gehen also davon aus, dass auf Grund individueller Bewertungen ein emotionaler Stress entsteht, welcher sich in einer körperlichen, geistigen und emotionalen Erschöpfung widerspiegelt.