Burnout-Erklärungsansatz nach Cherniss
Erklärungsansatz des Burnout-Syndroms nach Cherniss
Das integrative Modell von Cherniss vermittelt ein umfassendes Verständnis der Dynamik des Burnout-Prozesses. Sein Ansatz ist zum einen theoretisch gut fundiert, da ihm ein psychologisches Stress-Konzept zugrunde liegt und zum anderen hat der Burnout-Experte Cherniss die zu Burnout beitragenden Strukturen eingehend analysiert und in seinem Ansatz besonders viele Aspekte des Burnout berücksichtigt.
Besonders hervorgehoben werden muss bei diesem Erklärungsmodell, dass es sich um einen soziologisch geprägten Ansatz handelt, welcher es unterlässt nur einer einzigen Kategorie der Entstehungsbedingungen die absolute Priorität zu geben, sondern arbeits- und organisationsbezogene mit individuellen sowie gesellschaftlichen Faktoren kombiniert. Bezüglich der arbeits- und organisationsbezogenen Faktoren nennt Cherniss das Arbeitsumfeld mit den drei Komponenten Rollenstruktur, Machtstruktur und normativer Struktur.
Was den Burnout nach Cherniss verusacht
Als individuelle burnout-verursachende Faktoren hebt Cherniss neben einem Sinnverlust, vor allem die Bedeutung von unrealistischen Erwartungen hervor. Die Vertreter der für die Allgemeinheit tätigen Berufe (helfende- und pflegende Berufe) begannen im allgemeinen ihre Karriere mit hohen Zielen und Erwartungen. Die Lehrer hofften, jeden Schüler zu erreichen und glaubten, dass das ein angemessenes Ziel sei. Berufstätige im psychologisch-psychiatrischen Feld glaubten, jedem ihrer Klienten Sympathie zeigen und bei jedem eine sichtbare Veränderung bewirken zu müssen. Vorübergehende Linderung wurde als unzureichend betrachtet. Aber eines der ersten Dinge, die sich angesichts von Stress und hoher Anspannung änderten, waren die besonders hohen Ziele der Berufsanfänger. (Cherniss, 1980, Seite 98)
Cherniss hat sich im Gegensatz zu anderen Autoren relativ ausführlich mit den gesellschaftlichen und historischen Ursachen des Burnout auseinandergesetzt. Er vertritt die Meinung: Burnout war möglicherweise immer schon ein Problem im helfenden Bereich, aber verschiedene Veränderungen im sozialen und politischen Klima des Landes machten den Leuten das Problem stärker bewusst und ließen sie stärker auf Verbesserungsmaßnahmen insistieren. (Cherniss, 1980, Seite 143 in Enzmann und Kleiber, 1989, Seite 52)
Cherniss begründet Burnout mit dem Zusammenwirken von arbeitsbezogenem Stress und defensiven Copingstrategien. Er geht von allgemeinen Anforderungen oder Arbeitsstressoren aus, welche im Sinne des transaktionalen Stress-Konzeptes von Lazarus und Folkman (1984), die Bewältigungsmöglichkeiten sowie die Ressourcen übersteigen und damit die Entwicklung von Burnout fördern können. Dies bedeutet, dass die Helfenden nicht mehr in der Lage sind dem erlebten Stress durch aktive Bewältigung zu begegnen, was dazu führt, dass sie viel Energie benötigen, die dann wiederum den Klienten an emotionaler Zuwendung verloren geht. Die Helfenden wenden sich von ihren Klienten ab und es beginnt ein Prozess der Entemotionalisierung in der Helfer-Klient Beziehung.