Burnout und Depressionen gehören zu den weitverbreitesten Volkskrankheiten der heutigen Zeit. Sie sind nicht allein, also nutzen Sie die Möglichkeit und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus. Lernen sie durch Erfahrungsberichte anderer, wie sie mit Burnout umgegangen sind, welche Therapie Ihnen geholfen hat oder welche präventiven Maßnahmen am besten geholfen haben. Erfahren Sie Verständnis für Ihre Situation und bekommen Sie Einblicke in individuelle Bewältigungsstrategien. Sie haben Ihre eigene Geschichte zu erzählen? Veröffentlichen Sie diese auf Hilfe-bei-Burnout und machen anderen damit Mut oder tauschen Sie sich gleich im Burnout Forum miteinander aus.
Auch in der imedo-Gemeinschaft, finden Sie ebenfalls die Möglichkeit zum aktiven Austausch mit anderen Betroffenen in Burnout Gruppen. Tauschen Sie sich jetzt aus zu Krankheit, Symptomen, Therapien und Erfahrungen.
Burnout Betroffene, Angehörigen und Therapeuten berichten von Ihren Erfahrungen mit dem Burnout-Syndrom
Hier finden Sie verschiedene Kurzberichte, mit denen Betroffene Ihre persönlichen Erfahrungen teilen. Erzählen auch Sie Ihre Geschichte und geben Sie anderen damit Zuversicht.
Wieso Burnout, die Arbeit machte doch Freude? – Erfahrungsbericht von Jana B.
“Ich habe das Risiko des Burnout unterschätzt”
“Bei mir fing alles mit meinem neuen Job an. Es war eine Mischung aus Angst den neuen Anforderungen nicht gerecht werden zu können, nicht versagen zu wollen und gleichzeitig Anerkennung und Bestätigung über meine Arbeit zu finden. Dadurch verspürte ich unaufhörlich den Drang viel erledigen, viel arbeiten zu WOLLEN, sehnte mich nach dem Gefühl, all die To Dos von der Liste zu streichen, der Lage wieder Herr zu werden. Ich wollte tatsächlich effizient sein, nichts zu tun war für mich reine Zeitverschwendung.
Ich nahm mir Arbeit mit nach Hause, freute mich auf das Wochenende wegen dem Gefühl damit Arbeit erledigen zu können, das Pensum wieder in den Griff zu bekommen. Private Verpflichtungen in der Freizeit empfand ich plötzlich als Stress und Belastung, weil mir damit Zeit fehlte, um die Arbeit einzuholen. Ich nahm mir immer weniger Zeit für Familie und Freunde.
Mit der Zeit aufkommende Sorgen von meinen Angehörigen habe ich gar nicht ernst genommen und es als vorübergehende Phase abgetan, weil ich eben geglaubt habe je fleißiger und effizienter ich jetzt bin, desto eher kann ich meine To Dos wieder überblicken und habe wieder den Kopf für Privates. Nur wuchs der Berg an Aufgaben mit dem gleichen Tempo, wie ich sie abhaken konnte. Das würde sich auch nicht ändern, der naive Gedanke, nur mit stetigem Fleiß und viel Arbeit schon bald wieder den Kopf für Privates und Zeit für Entspannung zu finden aber blieb und so entsteht dieser Teufelskreis.
In dem Glauben die Ursachen für Burnout liegen in Arbeit, die einem keinen Spaß macht, dass nur die, die morgens aufwachen und nicht zur Arbeit wollen Gefahr laufen an Burnout zu erkranken, sah ich mich gar nicht gefährdet und erkannte die Stressspirale gar nicht, in der ich mich befand. Jetzt weiß ich, dass gerade die, die To Dos abarbeiten wollen und effizient sein wollen gefährdet sind und wie ich viel zu spät erkennen, dass man auf dem direkten Weg zum Burnout ist.
Ich will gar nicht sagen, dass ich ausgebrannt bin oder war oder gar an Burnout litt, nur, dass ich ohne es zu merken darauf zugesteuert bin und froh darüber bin, die Gefahr erkannt zu haben und nun zu wissen, dass es jeden treffen kann – und das schneller, als man glaubt. Nur auf Drängen meiner besorgten Familie beschäftigte ich mich mit dem Thema. Nur dadurch wurden mir die Warnsignale erst als solche bewusst und mir klar, dass ich besser auf mich aufpassen muss.”
Jana B. (32)
Das macht ALLES keine Sinn! – Erfahrungsbericht von Mario M.
Auf einmal wurde mir schlecht
Auf einmal überkam mich ein scheußliches Gefühl, mir wurde total schlecht. Tausende von Gedanken und Fragen gingen mir auf einmal durch den Kopf, es war irgendwie wie ein negativer Flash. Was mache ich hier? Das macht ALLES keine Sinn! Warum komme ich schon wieder an so einen sch… Punkt? Ich fing an innerlich zu zittern.
All das passierte nach einem Gespräch mit meinem Chef. Alles, was wir gemeinsam bei meiner Einstellung vereinbart hatten, war vergessen und ich sollte das schlucken. Doch genau das konnte ich nicht mehr, dieses Mal ging es irgendwie nicht.
Einfach weiter arbeiten…
Ich versuchte weiterzuarbeiten, doch auch das ging nicht und so fuhr ich in ein Hotel, wo eine Übernachtung angesagt war. Als ich angekommen war ging ich auf mein Zimmer und dann spielte mein Körper verrückt. Die Tränen brachen aus mir heraus und ich konnte nichts dagegen tun. Diese fiesen negativen dunklen Wolken waren wieder da und das in so einer Stärke, dass ich mich fast erdrückt fühlte. Ich wollte einfach nur das es aufhörte, doch es hörte nicht auf. Mir schossen auf einmal Gedanken durch den Sinn, es doch einfach zu beenden, denn hier aus dem 7. Stock wäre das doch einfach. Zum Glück nahm ich das Telefon in die Hand und rief meine Frau an, die ganz lange auf mich eingeredet hat und an meine Familie und mich an meinen 3jährigen Sohn erinnert hat. Das half mir sehr viel, nicht durchzudrehen.
Am nächsten Morgen versuchte ich es noch einmal, ich wollte weiter arbeiten, denn so hatte ich es ja immer gemacht, alles ignoriert, weggedrückt, runtergeschluckt und weitergearbeitet.
Ich wollte etwas aufbauen, doch auf einmal hatte ich das Gefühl, ich würde zusammenbrechen. Ich schickte viele Stoßgebete zum Himmel und irgendwie blieb ich stehen, denn ich hatte große Panik davor, mit einem Krankenwagen irgendwo hingebracht zu werden und die Kontrolle zu verlieren.
Was dann folgte, war ein ständiges Hin und Her. Ich versuchte, die nächsten Tage noch weiterzuarbeiten, da ich eine Reise nach Irland geplant hatte, doch es war schrecklich. Ich war ständig komplett nass geschwitzt, war am ganzen Körper am zittern und hatte ständig das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Auch in Irland wurde es nicht besser, ich war geladen wie ein Pulverfass und war ständig nur am heulen und konnte das auch nicht stoppen. Mir wurde bewusst, wie wichtig die Gesundheit ist, weil ich sie nicht mehr hatte. Was hatte ich nur gemacht? In einem Buch erfuhr ich dann, dass ich alle Symptome eines Burnout hatte.
Diagnose „Burnout“ und Depression
Zurück in Deutschland ging ich zum Arzt. Noch nie war ich so oft beim Arzt, wie die folgenden Wochen. Alles wurde durchgecheckt, ob es körperliche Ursachen gab, doch bis auf eine Magenschleimhautentzündung war da nichts und so legte man mir nahe, einen Psychiater aufzusuchen. ICH zum Psychiater? Warum das denn? Da gehen doch nur Verrückte hin. Ja, auch ich hatte diese Vorurteile. Ich habe lange gebraucht, um mich mit diesem Gedanken anzufreunden, doch aus heutiger Sicht sage ich ihnen, es war für mich eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich bekam wieder so viel Verständnis, was wahnsinnig gut tat. Doch ich verstand auch den Ernst der Lage.
Er erklärte mir, dass es 3 Phasen eines Burnouts geben würde und verglich es mit einem Staudamm. Manche Menschen gehen zum Arzt, wenn sie merken, dass der Staudamm Wasser verliert. Andere kommen, wenn sie merken, irgendwie kann ich nur noch halb so viel leisten, also der Staudamm hat schon lange Wasser verloren und ist vielleicht nur noch halb voll. Und es gibt Menschen, die gehen erst zum Arzt, wenn der Staudamm ausgetrocknet ist, wenn nichts mehr geht. Den Zustand, den ich ihm beschrieb, sei eindeutig der letzte! Ich war geschockt. Das Wasser des Staudamms steht hier für unsere Energie und Kraft.
Ich beschrieb meinen Zustand immer so, als wäre mein Akku tiefenentladen. Ein normaler Aufladevorgang führte zu nichts, der Akku ließ sich nicht mehr aufladen, so fühlte ich es. Die erste Aufgabe war, ich sollte herausfinden, was meinen Akku wieder aufladen oder meinen Staudamm füllen würde. Hähhh? Ich wusste es nicht mehr! Ich hatte absolut kein Gefühl mehr dafür, was mir Freude und Spaß machen würde, denn solche Gefühle kannte ich schon ewig nicht mehr! Und genau das sollte für mich nun meine Lebensaufgabe werden, das herauszufinden. Was für ein riesen Berg…!
Zum Psychiater!?
Da sich mein Zustand nicht änderte, obwohl ich zu Hause war, riet mir mein Psychiater, eine psychische Reha zu beantragen und für eine gewisse Zeit in eine psychosomatische Klinik zu gehen. Ich in eine Klinik? Darüber hatte ich bis jetzt nur Horrorgeschichten gehört und ich wehrte mich. Und dann kamen wieder diese quälenden Gedanken. Wie sollte sich sonst etwas ändern? Ich kannte das Gesetz von Ursache und Wirkung, also wenn ich andere Ergebnisse haben wollte, musste ich auch etwas verändern. Ich gab mein Einverständnis und stellte den Antrag, der auch sofort genehmigt wurde.
Psychopharmaka
Dann kam ein weiterer Schlag für mich. Mein Psychiater empfahl mir beim 3. Gespräch, ich solle Medikamente ausprobieren – Psychopharmaka. Wissen Sie, was einem da durch den Kopf geht? Richtig, Medikamente machen abhängig, verändern die Persönlichkeit, sie stellen einen ruhig, ich bin nicht mehr ich selbst usw. . Ich hatte mir immer geschworen, ich werde niemals Medikamente nehmen! Nun hatte ich doch schon so viele Kompromisse gemacht. Und jetzt das? Mein Arzt erklärte es mir jedoch wieder sensationell, wie ich finde.
Mein Burnout wird begleitet von Depressionen und Depressionen sind ein zwanghaftes Denken. Man könne sich das so vorstellen, als wenn in meinem Gehirn ein Urwald sei. Durch diesen Urwald führen Wege, unsere Gedankenwege. Es gibt Wege für positive Gedanken und für negative Gedanken. Im Fall eines zwanghaften Denkens ist ein Weg sozusagen zugewachsen, es geht nur noch in eine Richtung, nämlich in die negative. Und von allein kann man das so gut wie nie hinbekommen. Deshalb benötigt man eine Hilfe und das Medikament ist diese Hilfe. Es versperrt sozusagen den negativen Weg und man ist gezwungen, den positiven Weg zu gehen. Gerade, wenn man den positiven Weg gehen will, ist es eine tolle Hilfe. Das Denken ist nicht mehr so zwanghaft negativ, sondern eher neutral. Und genau so habe ich es auch gefühlt. Es war auf einmal leichter, überhaupt positiv zu denken und auch mal ganz neutral beide Seiten und Wege anzuschauen, um sich dann entscheiden zu können, welchen Weg ich gehen wollte. Das war ohne die Medikamente nicht möglich. Es ging einfach nicht, so sehr ich es auch versuchte. Ich möchte aber auch erwähnen, dass das nicht heißt, dass auch gleich wieder positive Gefühle zu spüren sind, das ist definitiv nicht so, es dauert eine gefühlte Ewigkeit.
Psychosomatischer Klinikaufenthalt
Dann kam der Tag, an dem ich in die Reha fuhr, es war so ein befremdendes Gefühl. Mein Sohn und meine Frau standen am Bahnhof und wünschten mir alles Gute. Nachher erfuhr ich, dass mein Sohn dem Zug nachwinkte und als ca. 3 Minuten später ein Zug aus der gleichen Richtung, in die ich weggefahren war, ankam, fing mein Sohn an zu strahlen und sagte zu meiner Frau: „Guck mal, Papa kommt schon wieder!“ Für Kinder ist die Lösung so einfach, toll. Es tat sehr weh, als ich das hörte.
Die Reha hat mir sehr viel gebracht. Ich hatte noch nie im Leben so viel Zeit für mich und habe noch nie so viel über mich und meinen Lebenslauf nachgedacht. Ich merkte, dass es viele Menschen gibt, die solche Probleme haben und einigen ging es noch erheblich schlimmer als mir. Es war einfach toll, von jedem, wirklich jedem, verstanden und ernst genommen zu werden. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Niemand verurteilte mich, weil ich etwas nicht konnte, wollte, es mir unangenehm war o. ä. . Vieles was ich dort hörte und erkannte, tat sehr sehr weh. Ich musste mir vieles eingestehen und das fiel mir nicht leicht.
Eine Situation werde ich wohl nie mehr vergessen. Wir sollten uns einen Vortrag über Burnout anhören. Unter anderem wurde auch über die Ursachen gesprochen. Und nun zeigte man uns auf, dass Burnout Betroffene den Verlust ihrer Verbindung vom Kopf zum Bauch verlieren und es zu einer Trennung zwischen Denken und Fühlen kommt! Burnout Betroffene handeln irgendwann nur noch Kopf gesteuert, rational, logisch, aber das Gefühl ist weg. Und genau so fühlte sich das bei mir an. Ich war total schockiert. Ja, ich hatte mein Gefühl verloren, ich fühlte nichts mehr, jedenfalls nichts positives, keine Freude. Davon musste ich mich erst erholen und damit klar kommen. Mit mir konnte man den ganzen Tag nichts mehr anfangen. Das ging mir ganz nah und mir viel auf, was mir da unwissentlich passiert war. Und das tat weh.
Nach der Reha
Es war ein echt komisches Gefühl, wieder nach Hause zu kommen. Jetzt musste sich das neue Wissen bewähren, ich musste es auch anwenden. Das ist nicht leicht, es waren viele Gespräche nötig, um die Dinge, die mich bewegten, zu erklären. Und es fühlte sich unheimlich an, denn alle sind gespannt, was aus einem geworden ist. Es hat viel Kraft und Geduld gefordert, sich konsequent an das Gelernte zu halten. Immer wieder hatte ich das Gefühl, ich schaffe das nie. Und vor allem ist das positive Gefühl ja noch nicht wieder vorhanden. Man muss einfach weitermachen, so lange, bis sich die positiven Gefühle wieder einstellen und das ist nicht leicht und ein echter Kraftakt.
Verhaltenstherapie
Um die neuen Verhaltensweisen und Eindrücke zu verstärken, habe ich eine Verhaltenstherapie gemacht. Dass ich zur Therapie gehe, war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Doch die Gespräche in der Klinik haben mir so gut getan und ich habe mich dafür entschieden. Und das war ein sehr wichtiger Teil, um wieder gesund zu werden. Jede Woche konnte ich alle neuen Eindrücke und Erkenntnisse mit der Therapeutin teilen und reflektieren. Alles, was ich weiter bearbeiten und angehen wollte, konnte ich dort ansprechen, das war eine wunderbare Hilfe für mich. Ich habe an der Art und Weise, die ich kennenlernen durfte, richtig Gefallen gefunden, Menschen mit Fragen zu neuen eigenen Erkenntnissen zu verhelfen.
Meine Herzensangelegenheit
Ja ich habe selber beste Erfahrungen mit meinen Ärzten, Therapeuten und einem Coach gemacht. Alle haben mir geholfen, die Lösungen in mir selbst zu suchen und zu finden. Es scheint wirklich alles in uns vorhanden zu sein, wir müssen „nur“ unsere Blicke nach innen richten. Als ich das verstanden hatte, habe ich meine Kenntnisse über Fragetechniken aus dem Vertrieb durch eine Ausbildung als Coach erweitert und tue das zur Zeit in einer weiteren Ausbildung. Ein Coach kann Ihnen helfen, wieder neue Sichtweisen zu bekommen. Und im Gegensatz zu einem Therapeuten können Sie kurzfristig etwas tun. Wenn Sie nicht mehr weiter wissen, keine Auswege und Lösungen mehr sehen, gerade dann kann ein Coach helfen. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit geworden, Menschen mit Burnout zu helfen, Ihnen Hilfen, Informationen und Anregungen an die Hand zu geben, die helfen, da wieder rauszukommen und als Mensch zu wachsen. Auf meiner Seite www.Burnout-Hilfe.TV finden Sie eine Menge solcher Ansätze, die Ihnen weiterhelfen. Genau nach so etwas habe ich damals gesucht.
Zu viel in zu kurzer Zeit schaffen – Erfahrungsbericht von Daniel G.
“Zu früh zu erschöpft”
Alles Begann als ich 16 war. Scheinbar ohne Vorwarnung konnte ich einfach nicht mehr! Es war unmöglich sich auch nur 20 Minuten auf irgend etwas zu konzentrieren, die einfachsten Zusammenhänge zu verstehen und ihnen zu folgen. Oftmals war ich nur 1-2 stunden nach dem Aufstehen schon wieder unglaublich müde, obwohl ich gerade erst einen ausgiebigen Schlaf hinter mir hatte. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass die Leute mit der Zeit anfingen mich seltsam zu finden, weil ich irgendwie immer nur versuchte mich auszuruhen. Irgendwann wurde ich deswegen nur noch gemobbt, war natürlich das perfekte opfer für all diese Angriffe, und obwohl ich meine halbwegs intelligent zu sein, hatte ich irgendwann nicht mehr die kraft diesen Attacken mit intelligentem Widerstand zu begegnen.
“Wo die Ursache dafür liegt?”
Ich denke, die Frage nach der Ursache kann ich relativ einfach und treffend beantworten. Absolut krankhaft übersteigerter Ehrgeiz! Ich musste immer alles wissen, alles verstehen und alles können. Lange Zeit hatte ich mit diesem Modell auch Erfolg, allerdings bestand zu dieser Zeit mein Leben und die Welt darum herum nur aus Arbeit! Ich beschäftigte mich mit Eulerschen Reduktionsverfahren und Funktionslehre bereits am Ende der 10. Klasse; in meiner Freizeit beschäftigte ich mich mit dem Aktienmarkt, unzähligen Dokumentationen im Fernsehen und lernte nebenbei immer für die Schule, versuchte sogar den anderen immer einen Schritt voraus zu sein.
Ich stand also schlichtweg immer unter Leistungsdruck, befand mich immer im Stress, und viel davon habe ich mir einfach selbst geschaffen. Ich habe mich sogar lange zeit damit gut gefühlt, hielt dem Druck stand, erzielte gute Leistungen, hatte also Erfolg und ein gutes Gefühl dabei. Ich habe diesen Erfolg immer wieder aufs neue genossen, ohne zu merken, was ich mir selbst damit eigentlich antue. Von vielen wurde ich sogar für meine Leistungen und erfolge beneidet, doch das sollte sich schlagartig ändern.
“Burnout, ohne Vorwarnung”
Von einem auf den anderen Tag knallte es dann. Einfach so, ohne Vorwarnung, konnte ich einfach nicht mehr, mein Akku war völlig leer, und ich wusste nicht wie mir geschieht. Ich hatte einen Burnout. Ich hatte noch nie vorher davon gehört, geschweige denn mit Burnout zu tun gehabt. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass diese Situation mich grenzlos überforderte. Das überfordert jeden!
Anfang war ich noch fest in der Annahme, das alles würde sich mit ein wenig mehr Bewegung wieder einrenken. Dummerweise wurde es mit der zeit nur noch schlimmer. Kurz bevor die Sommerferien anfingen erreichte ich den absoluten Tiefpunkt. Ich schaffte nichts mehr, keine Leistungsfähigkeit, Depressionen und sogar Suizidgedanken. Ich hatte zu diesem zeitpunkt noch keine Ahnung davon, dass ich einen Burnout habe, hätte es wohl auch nicht für möglich gehalten.
“Burnout! Erkenntnis und Therapie”
Ich habe mir tagelang, teilweise sogar Wochenlang Gedanken über den Sinn des Lebens gemacht – und nie so richtig einen gefunden. So langsam dämmerte mir, dass ich es mit Burnout zu tun hatte, doch in meinem jugendlichen Wahnsinn setzte ich mir eine Frist. Bis zum Ende des Jahres bist du wieder gesund, sonst erlöst du dich selbst und alle Anderen und wählst den Freitod. Eine Lösung für die Probleme, die der Burnout so mit sich bringt hatte ich nicht. Ich verstand auch einfach nicht viel vom Entspannen und Abschalten, nur von Leistung bringen und erfolgreich sein.
Ich brachte mich nicht um um, obwohl mein Burnout über das Jahresende hinaus anhielt. So langsam begriff ich allerdings, was ich zu tun hatte um gegen den Burnout zu kämpfen, und was ich auf jeden Fall nicht tun sollte. Ich ging nach knapp 1,5 Jahren schweren Burnouts zum Arzt, und begann mich mit autogenem Training und Yoga zu beschäftigten. Auch wenn ich immernoch auf die zeit nach dem Burnout warte, so geht es mir inzwischen wesentlich besser, und es ist nur noch eine frage der zeit, bis ich den Burnout hinter mir gelassen habe.
Ich wünsche allen Burnout-Betroffen Zuversicht und Erfolg, darauf, dass wir bald alle den Burnout hinter uns haben!
Daniel G. (21)
Privatleben als Auslöser für Burnout – Erfahrungsbericht von Catrine F.
“Auf einmal war alles anders…”
„Endlich werde ich ernst genommen in meiner Familie, auf Arbeit und bei den Ärzten. Aber bis es dazu kam, musste leider erst viel passieren.
Alles fing an mit der Trennung meines Partners. Wir waren schon 9 Jahre zusammen und dieser verließ mich fast wortlos. Ab da fingen dann auch die Schlafstörungen an und es war auf einmal alles so ungewohnt. Ich nahm ab dieser zeit wenig Nahrung zu mit und der Stress auf Arbeit setze mir auch immer mehr zu. So kam es, dass ich wieder Körpergewicht abnahm und es kaum merkte. Ich hatte eh schon immer etwas Probleme mit Untergewicht. Einen Neuanfang wollte ich dann planen und zog um in eine neue Wohnung. Dies sollte der Anlass für einen anderen Lebensabschnitt werden. Doch es klappte alles nicht so wie ich wollte.
Nach nur wenigen Wochen wurde in meine neue kleine Wohnung, während ich auf Arbeit war, eingebrochen und ab da konnte ich nun gar nicht mehr richtig schlafen. Ich wachte oft Nachts auf und hatte Panik vor einem erneuten Einbruch. Dank dem wenigem Schlaf, saß ich auf Arbeit nur noch wie eine blasse Leiche vor meinem Rechner, geprägt von Müdigkeit und Lustlosigkeit. Mein Privatleben wollte einfach nicht in geordnete Bahnen kommen.
Und die Misere sollte nicht aufhören, denn auch auf Arbeit wollte auch keine Ruhe und Normalität einkehren. Mit meiner Lustlosigkeit, Müdigkeit und Traurigkeit war ich nach wenigen Wochen kein produktiver Mitarbeiter mehr. Dies machte mir mein Chef auch bewusst in einem persönlichen Gespräch. Er meint, ich solle mich doch sammeln und mal wieder ordentlich ranklotzen.
Ich hielt mich lange Zeit nur noch zu Hause auf, wollte nicht mehr raus. Keine Freunde sehen, keine Familie kontaktieren. Ich hatte oft Kopfschmerzen und Schwindel. Ich stand neben mir, als wäre ich ganz woanders. Manchmal stellte ich mir die kuriosesten Fragen, wie „Wo bin ich eigentlich gerade?“ oder „Warum starren mich alle so an?“. Einige Freunde und meine Mutter fragten natürlich was los sei und ich schob es auf die Trennung von meinem Ex-Partner.
Nach zwei Monaten merkte ich aber, dass da viel mehr im Busch ist. Ich sammelte meine letzten Kräfte und suchte meine Hausarzt auf. Dieser erkannte aber anscheinend keine Depression, kein Burnout oder andere Krankheiten. Mein Arzt meinte, ich solle doch etwas Beruhigungsmittel nehmen und weniger arbeiten. Dies reichte mir aber nicht als Antwort, weil ich nicht mehr konnte.
Ich zog den Schlussstrich und kontaktierte meine Familie, ein paar gute Freunde und legte die Karten im Job auf den Tisch. Mein Vorgesetzter war erst verwundert, verstand dann aber meine Situation und gab mir auch sofort frei. Hier erfuhr ich zum ersten Mal das man klar und deutlich über seine Probleme reden muss, sonst versteht einen ja auch keiner. Ein Glück lief dies mit meiner Familie genauso ab. Das erste Mal fühlte ich mich etwas besser! Ich wollte mich nun vollends auf mich konzentrieren und meine Probleme lösen.
Ich wechselte den Arzt auf Empfehlung eines Freundes und fühlte mich nach dem ersten Besuch sofort gut aufgehoben. Diese Frau nahm sich Zeit für mich und erklärte mir meinen Körper, von Nervensystem bis Hirnstoffwechsel. Ich ließ die Stadt hinter mir und zog über längere Zeit zu meinen Eltern. Diese hatten ein ruhiges Häuschen auf dem Land. Endlich kamen Veränderungen in mein Leben und der Kampf begann! Es dauerte Wochen bis es mir erstmals leicht besser ging und konnte sogar wieder einmal lächeln. Meine Eltern verstanden dann auch endlich, wie alles anfing und unterstützen mich sehr gut. Ich nahm auf Empfehlung meiner neuen Ärztin an viele Therapien (Shiatsu, Energiearbeit, Massagen, autogenes Training) teil und langsam kam wieder etwas Ruhe in meinen Körper und Geist.
Insgesamt war ich dann fast 4 Monate krank geschrieben. Meine Arbeitsstelle kam mir später sogar entgegen und ich arbeite dann 20 Stunden die Woche von zu Hause aus. Es klappte recht gut und ich habe keinen Stress. Ein paar Aufgaben brauche ich am Tag auch, denn nur rumliegen kann ich nicht. Dafür bin ich nicht der Typ. Es geht bergauf!
Zusammengefasst kann ich sagen, dass mir mein Körper begreiflich gemacht hat, dass die aushaltbare Grenze für meinen Körper und Geist überschritten wurde. Er zog die Notbremse, die ich eigentlich hätte ziehen sollen, aber ich war blind vor Stress, Alltag und Leid. Ich habe vergessen auf mich selbst zu achten, ich habe das Leben von anderen gelebt. Von meinem Chef, meinen Partner, meinen Eltern und habe viel zu spät erst gemerkt wie unglücklich ich doch bin. Wie ich vieles runtergeschluckt habe, nicht ausgesprochen habe und vor mich hinlebte. Es hatte sich eine Menge angestaut und nun konnte ich nach über 5 Monaten auch mal wieder ein anderes Gefühl erleben. Ich lasse nun viel mehr meine Emotionen, meine Gefühle und meine Gedanken raus. Teile Sie anderen mit wenn es nötig ist. Der Weg war lange und mühsam, aber ich sehe wieder lebenswerte Ziele vor meinen Augen.”
Catrine F. (28)
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Wir freuen uns über weitere Erfahrungsberichte und die Bereitschaft sich mitzuteilen und anderen damit Mut zu machen.
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