Klinik / Therapeuten

Kliniken, Praxen und Experten für Burnout-Patienten
Burnout-Patienten bedürfen eines speziellen Therapiekonzepts. In der imedo-Arztsuche können Sie direkt nach Psychologen und Fachärzten suchen. imedo hat ein Verzeichnis aufgebaut, in dem praktisch alle Anschriften von Therapeuten leicht zu finden sind. Im Infocenter Burnout finden Sie eine Vielzahl von Experten und Kliniken, die sich auf die Behandlung des Burnout-Sydroms spezialisiert haben.

imedo-Arztsuche:

http://www.imedo.de/verzeichnis

Infocenter Burnout:

http://www.imedo.de/infocenter/burnout/burnout-experten#infocenter

Interview zum Thema Burnout mit der psychologischen Beraterin und Entspannungspädagogin Diplom-Pädagogin Almut Carlitscheck aus Berlin

1) Ist der Burnout ein Grund zum Arzt zu gehen?
Almut Carlitscheck: Ja, auf jeden Fall! Ein Burnout muss von einem Arzt diagnostiziert werden. Er leitet dann weitere Schritte der Behandlung ein. Je nachdem in welcher Phase der Erkrankung sich der Patient befindet, sind unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll und angemessen. Ohne professionelle Hilfe ist eine wirksame und nachhaltige Genesung nicht möglich. Selbsttherapie greift zu kurz und kann allenfalls kurzfristig für Entlastung sorgen. Mit Symptombekämpfung alleine ist es nicht getan. Langfristig muss ein neuer Umgang mit dem Alltag, sich selbst und belastenden Situationen erlernt werden. Die eigene Leistungsfähigkeit sowie das eigene Bedürfnis zur Entspannung und Regeneration müssen wahrgenommen und realistisch eingeschätzt werden können. In einigen Fällen reicht es aus, eine Kur zu verschreiben oder der belastenden Situation, beispielsweise am Arbeitsplatz durch einen Arbeitsplatzwechsel zu entgehen. Ein Burnout-Syndrom verschwindet jedoch nicht einfach wieder von alleine. Der Arzt kann eine gezielte Psychotherapie verschreiben und, falls erforderlich, auch eine psychopharmakologische Behandlung in Form von Antidepressiva einleiten. Zu beachten sind beide erkrankten Komponenten – der Körper und die Psyche.

2) Wie stellt der Mensch eigentlich fest, ob er unter einem Burnout leidet?
Almut Carlitscheck: Erste Symptome eines Burnout-Symptoms können eine ohne deutlich erkennbarem Grund auftretende Nervosität sein sowie Aktionismus bis hin zur Hyperaktivität. Ein Tätigkeitsbereich des Alltags – Beruf, Familie, Ehrenamt etc. – wird zum drastischen Lebensmittelpunkt, dem alle anderen Bereiche – einschließlich der eigenen Gesundheit und der eigenen Bedürfnisse – untergeordnet werden, oft kompromiss- und pausenlos. Erholungs- und Entspannungsphasen werden immer weniger bis gar nicht mehr eingebaut. Ein zum Beispiel zeitliches Ende dieser einseitigen Fokussierung ist nicht in Sicht. Dieses eingeschränkte Streben hat oftmals einen beobachtbaren sozialen Rückzug sowie eingeschränkte Gesprächsthemen zur Folge. Betroffene leiden unter chronischer Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit, Magen-/Darmbeschwerden, andauernden Kopfschmerzen, Angstzuständen, depressiven Verstimmungen, erhöhter Reizbarkeit und suchen Entlastung in schnell aber kurzfristig wirksamen Methoden wie Alkohol, Zigaretten, in der Computer- und Fernsehwelt, im Essen (…). Jedes einzelne Symptom ist noch keine Burnout-Erkrankung. Es sind einzelne Anzeichen von Übermüdung, Stress und ein Hinweis, dringend Entspannung und Erholung in den Alltag einzubauen. Treten diese Symptome jedoch in unterschiedlicher Gewichtung gehäuft und gemeinsam auf, und sollten sie trotz bewusst eingebauter Phasen der Erholung – seien es ein paar ruhige und Abwechslung bietende Stunden am Abend oder am Wochenende – nicht deutlich gemildert werden, so ist ein Arztbesuch dringen anzuraten.

3) Was sind die ersten Anzeichen für ein Burnout?
Almut Carlitscheck: Nicht jedes intensive Arbeiten und Fokussieren auf einen Lebensbereich führt automatisch zum Burnout. Oftmals ist eine Fokussierung sogar sinnvoll und angemessen. Kann sich der einzelne jedoch nach Abschluss eines Projektes, nach einer Prüfung oder einer anderweitig angespannten Phase nicht wieder in den „normalen“ Alltag zurückziehen oder fällt es ihm schwer, neben einer besonderen Aufgabe auch andere Dinge wahr- und ernstzunehmen – wie die eigenen Bedürfnisse nach ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung, Ruhephasen oder auch das soziale Umfeld etc. – und handelt sein Handeln und Denken tagein und tagaus fast ausschließlich von der einen Tätigkeit, so ist das Risiko einen Burnout zu erleiden deutlich erhöht. Ein Mensch, der unter besonderer Belastung steht – im Beruf, im sozialen Umfeld etc. – kann folgende Dinge an sich selbst beobachten: Bin ich nach 6 bis 8 Stunden Schlaf morgens wirklich erholt und gestärkt? Schlafe ich ungestört ein und durch? Habe ich neben dieser wichtigen Aufgabe andere Dinge oder Themen im Leben, die mich begeistern und mit denen ich mich gerne umgebe und beschäftige? Plane ich bewusst Pausen in den Alltag ein? Wie gestalte ich meine Freizeit? Habe ich überhaupt freie Zeit und nehme diese wahr? Was und wie esse ich? Esse ich regelmäßig an einem Tisch sitzend? Gehe ich regelmäßig an die frische Luft und mache wenigstens einen kurzen, ruhigen Spaziergang? Kreisen meine Gedanken kreisförmig tagelang um die gleiche Sache? Wie geht es meinem Körper? Wie geht es mir? Erste Anzeichen eines Burnouts können auf diese Weise erkannt werden. Warnsignale sind eine ständige Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Einseitigkeit in Themen und Gestaltung des Tages, sozialer Rückzug, dauernde Nervosität, Grübelei und Traurigkeit.

4) Was empfehlen Sie Menschen, die unter Burnout leiden?
Almut Carlitscheck: Ich empfehle an erster Stelle, die an sich selbst beobachteten Symptome ernstzunehmen. Sie müssen nicht zwangsläufig ein Burnout sein – können aber dahin führen. Auf jeden Fall ist ein Arzt aufzusuchen, dem die an sich selbst beobachteten Symptome geschildert werden sollten. Der Arzt stellt dann die Diagnose Burnout-Syndrom und leitet weitere Schritte der Behandlung ein.

5) Lässt sich dem Burnout vorbeugen? Wie?
Almut Carlitscheck: Einem Burnout lässt sich entgegenwirken, wenn rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Der in unserer Gesellschaft oft als normal angesehene hohe Stresspegel sollte kritisch im eigenen Alltag hinterfragt werden. Stress, Einseitigkeit von Aufgaben und Anforderungen, Begeisterung und Engagement für eine Sache/Tätigkeit, all das sind Ereignisse, denen der Mensch nicht 100prozentig ausweichen kann und auch nicht brauch. Jedoch ist es unablässig, neben Anspannung, Power und Energie auch die andere Seite der Gesundheitswaage zu fördern und bewusst im Blickfeld zu halten – Entspannung, Ruhe und Erholung. Gerade in Phasen des Stresses, der Belastung und unter besonderen – und oft einseitigen – Anforderungen müssen dringend Phasen der Ruhe und Regeneration in den Alltag eingebaut werden. Neben dem Erlernen einer Entspannungstechnik wie dem Autogenen Training gibt es unzählige alltagstaugliche Entspannungsmöglichkeiten. Kombinieren Sie ein ruhiges Schaumbad mit dem Trinken eines Kräutertees bei Kerzenschein und besinnlicher Musik, treffen Sie sich mit Freunden und gehen Sie ins Kino oder ins Schwimmbad, verabreden Sie sich mit anderen zum Tanzen, zu einem Spaziergang oder in ein Café, erlernen Sie etwas, was Sie schon immer können wollten – wie etwa eine Fremdsprache, ein Instrument oder einen besonderen Tanz. Versuchen Sie Ihren Alltag nicht einseitig zu gestalten und sorgen Sie für Abwechslung. Das weckt die Lebensgeister und bringt neben Spaß Erholung und Regeneration in Ihren Alltag. Warten Sie nicht erst bis es Ihnen besonders schlecht geht, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die ersten Anzeichen von Stress, von Depression bis hin zu den ersten Anzeichen eines Burnouts führen oft zum Gegenteil dessen, was den Burnout ausgelöst hat: Viel Engagement führt zur Auspowerung, Energielosigkeit bis hin zur Lähmung; die Kraftreserven sind aufgebraucht. Wenn es soweit gekommen ist, helfen Präventivmaßnahmen nicht mehr und ohne professionelle Hilfe kommen Sie dann nicht mehr aus der Burnout-Falle heraus. Lassen Sie es nicht soweit kommen!

www.almutcarlitscheck.de

Tipp: Ein weiteres Experteninterview zum Thema Burnout mit dem Univ. Prof. Dr. Jürgen Spona finden Sie im imedo Infocenter Burnout.


Hinterlasse einen Kommentar