Definition
Definition: Was bedeutet Burnout?
In der wissenschaftlichen Fachliteratur gibt es unterschiedliche Definitionen des Begriffs Burnout, der teilweise auch in der Schreibweise Burn-out geschrieben wird. In der therapeutischen Literatur taucht häufig auch der Begriff Burnout-Syndrom auf. Das Wort Syndrom bedeutet in der Medizin und Psychologie das gleichzeitige Vorliegen verschiedener Krankheitszeichen (Symptome). Nachfolgend aufgelistet sind die wichtigsten Definitionen von anerkannten Burnout-Experten. Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, gibt jedoch einen guten Überblick über die Burnout-Definition. Am Ende dieser Seite finden Sie Zusatzinformationen über Depressionen. Das Burnout-Syndrom wird häufig von Depressionen begleitet.
Emener beschreibt: Burnout ist einen Zustand physischer oder seelischer Erschöpfung, der als Auswirkung langanhaltender negativer Gefühle entsteht, die sich in Arbeit und Selbstbild des Menschen entwickeln (Quelle: Emener und Mitarbeiter, 1972, in Fengler, 1998, Seite 92)
Arsons, Pines und Kaffrey (Kafrey) erweitern diese Ausführung zum Burnout und erklären das Ausbrennen als das Resultat andauernder oder wiederholter emotionaler Belastung im Zusammenhang mit langfristigem, intensivem Einsatz für andere Menschen: Das Ausbrennen ist die schmerzliche Erkenntnis (von Helfern), dass sie diesen Menschen nicht mehr helfen können, dass sie nicht mehr zu geben haben und sich völlig verausgabt haben. (Quelle: Pines, Arsons und Kaffrey, 1993, Seite 25)
Die Autoren und Burnout-Experten Arsons, Pines und Kaffrey unterscheiden in ihrem Konzept zwischen Überdruss sowie Burn-out. Die beiden Diagnosen haben ähnliche Symptome, jedoch unterschiedliche Ursachen. Während Burn-out aus chronischer Belastung entsteht, wird Überdruss auf berufliche Ursachen zurückgeführt, wie zum Beispiel Bürokratie. Die Hauptursachen für Burn-out sind nach Arsons, Pines und Kaffrey zu hoch gesteckte Erwartungen und Ziele und lang andauernder Stress. Die Betroffenen setzen sich intensiv für andere ein und bekommen dafür wenig bis gar kein positives Feedback. Folglich definieren Arsons, Pines und Kaffrey den Burn-out als eine körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung, welche durch emotionalen Stress verursacht wird.
Schaufeli und Maslach definieren Burnout wie folgt: Burnout ist ein dauerhafter, arbeitsbezogener Seelenzustand normaler Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung, einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber dann unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlanpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst Aufrecht. (Quelle: Schaufeli, 1998, Seite 36 bis 39)
Schaufeli und Maslach betonen in ihren Ausarbeitungen, dass die Ursachen von Burnout im Wesentlichen nicht in den Persönlichkeitszügen der Betroffenen, sondern in den wirksamen und strukturellen Merkmalen von ungünstigem Umfeld bei der Arbeit liegen. Drei weitere Komponenten beeinflussen den Verlauf von Burnout: emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistung. Zu den Faktoren, die die Entstehung des Burnout begünstigen, zählen Maslach und Schaufeli beispielsweise:
- Mangel an positivem Feedback
- Fokussierung auf Klientenprobleme
- Gehäufte chronische und schwer zu beeinflussende Probleme
- Normen eines guten Helferverhaltens
- Übertriebene Involviertheit
- Hierarchieprobleme
- Administrative Zwänge
- Schlechte Teamarbeit
- Druck von Vorgesetzten
- Schlechte Arbeitsorganisation
- Mangelnde Ressourcen (Personal, Finanzmittel)
- Problematische institutionelle Vorgaben und Strukturen
(Quelle: Maslach, 2001)
Maslach und Jackson definieren Burnout als ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung und reduzierter persönlicher Leistungsfähigkeit, das bei Individuen, die in irgendeiner Weise mit Menschen arbeiten, auftreten kann. (Quelle: Maslach und Jackson, 1984, Seite 134 in Enzmann und Kleiber, 1989, Seite 32)
Maslach und Jackson sehen Burnout verursacht durch stresshafte Interaktionen und unterscheiden in ihrem Erklärungskonzept drei Dimensionen des Burnout: Emotionale Erschöpfung bezieht sich auf Gefühle, durch seinen Kontakt mit anderen Menschen emotional überanstrengt und ausgelaugt zu sein. Depersonalisierung bezieht sich auf eine gefühllose und abgestumpfte Reaktion auf diese Leute, die gewöhnlich die Empfänger seiner Dienste oder Fürsorge sind. Reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit bezieht sich auf eine Abnahme seines Gefühls an Kompetenz und erfolgreicher Ausführung in seiner Arbeit mit Menschen. (Quelle: Maslach und Jackson, 1984, Seite 134 in Enzmann und Kleiber, 1989, Seite 32)
Edelwich und Brodsky verwenden den Begriff Burnout um einen zunehmenden Verlust von Idealismus und Energie zu beschreiben, den die in den helfenden Berufen Beschäftigten als Folge der Arbeitsbedingungen erfahren. (Quelle: Edelwich und Brodsky, 1984, Seite 12)
Diesen Verlust an Energie und Engagement sehen Edelwich und Brodsky als Folge einer Desillusionierung, nach einem Prozess der stufenweisen Enttäuschung.
Cherniss definiert Burnout als einen Prozess, in dem sich ein ursprünglich engagierter Mitarbeiter von seiner Arbeit plötzlich zurückzieht, als Reaktion auf Beanspruchung und Belastung im Beruf. (Quelle: Cherniss, 1980, New York: Praeger)
Freudenberger betrachtet Burnout als einen Zustand der Erschöpfung und Frustration, verursacht durch unrealistische Erwartungen. Er definiert Burnout als ein Energieverschleiß, eine Erschöpfung aufgrund von Überforderungen, die von innen oder von außen – durch Familie, Arbeit, Freunde, Liebhaber, Wertesysteme oder die Gesellschaft- kommen kann und einer Person Energie, Bewältigungsmechanismen und innere Kraft raubt. Burnout ist ein Gefühlszustand, der begleitet ist von übermäßigem Stress, und der schließlich persönliche Motivationen, Einstellungen und Verhalten beeinträchtigt. (Quelle: Freudenberger, 1994, Seite 27)
Burisch beschreibt Burnout als einen Zustand innerer Erschöpfung, welcher in jedem Beruf auftreten kann. Er versucht die verschiedenen Ansätze auf einer allgemeinen Ebene zu integrieren und sieht Burnout in Gang gesetzt durch Autonomieeinbußen in gestörten Auseinandersetzungen des Individuums mit seiner Umwelt, genauer: durch die innere Repräsentation solcher Interaktionen als gestörter und das Scheitern bei ihrer Bewältigung. (Quelle: Burisch, 1994, Seite 117)
Müller postuliert in einer aktuellen Definition der Burnout-Krise: Im Falle einer Burnout-Krise nimmt die psychische Belastbarkeit bereits im mittleren Berufsalter ab. Menschliche Überforderung und Enttäuschungen führen zu emotionaler Erschöpfung und Resignation. Der phasische Verlauf kann bis zur Entfremdung von sich selbst und zu völligem Rückzug von anderen Menschen führen und in Depressionen und körperliche Erkrankungen münden. (Quelle: Müller, 2004, Seite 18)
Tipp: Weitere Informationen zum Thema und zu möglichen Ursachen finden Sie im imedo Infocenter Burnout.
Zusatzinformation zum Thema Depressionen
Depressionen (auch: depressive Störung, depressive Episode, Melancholie) zählen wohl zu den ältesten Krankheiten der Menschheit. Wie das Burnout-Syndrom ist die Depression eine Volkskrankheit. 5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland haben eine Depression. Der Begriff der Melancholie reicht zurück bis in die Zeit des Hippokrates. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wortteilen mela und chol. Mela ist griechisch und bedeutet schwarz. Chol ist ebenfalls griechisch und heißt Galle. Schwarze Galle stand dem damaligen humoralen Verständnis der Säftelehre zufolge für Weltschmerz, Schwermut und Selbstzweifel über einen längeren Zeitraum krankhaft gedrückte Stimmung mit Freud- und Interessenlosigkeit, Genussunfähigkeit, Grübelneigung, innerer Unruhe oder psychomotorische Verarmung, Antriebsminderung. Insbesondere bei manisch-depressiven Erkrankungen, aber auch anderen psychische Leiden sowie hirnorganischen und anderen körperlichen Erkrankungen.
Volkskrankheit Depression
Die klassische Psychopathologie unterscheidet endogene versus reaktive und neurotischen Depressionen. Endogene Depressionen sind insbesondere durch ein Gefühl der Gefühlslosigkeit und einen depressiven Wahn charakterisiert. Diese Unterscheidung wurde im ICD-10 und DSM IV aufgegeben. Demnach führt allein die Schwere der Symptome zur Diagnose. einer depressiven Episode. Für die Therapie der Depression ist die genaue Beachtung und Abklärung der bei Depressionen stets erhöhten Suizidgefahr. Die Patienten werden auf Antidepressiva eingestellt. Bei wahnhafter Depression ist gegebenenfalls die Kombination mit Neuroleptika notwendig. Zur Therapie von Depressionen gehören psychotherapeutische Maßnahmen.
Diagnosestellung Burnout-Syndrom
Vor der Behandlung steht grundsätzlich eine zuverlässige Diagnose. Das trifft für alle Erkrankungen zu. Natürlich ist es auch für das Burnout-Syndrom wichtig, vor der Therapie eine Diagnose zu stellen.
Burnout-Syndrom: Diagnose
Für das Burnout-Syndrom gibt es keine einheitliche Möglichkeit, die Diagnose sicher zu stellen. Auch der Verlauf und die Erfolgskontrolle ist eben nicht durch Laborwerte nachzuvollziehen. Das Burnout-Syndrom führt beispielsweise nicht zur spezifischen Veränderung von Laborparametern. Auch bei der körperlichen Untersuchung hinterlässt das Burnout-Syndrom natürlich keine spezifischen Veränderungen. Der psychische Status und der Grad des „Ausgebranntseins“ lässt sich viel schwerer erfassen als ein Blutzuckerwert oder eine Entzündung am Finger. Für die Erfassung des Burnout-Zustandes haben Burnout-Experten verschiedene Tests und Messungen entwickelt. Wir stellen Ihnen verschiedene Tests vor, die bei der Messung und der Erfassung des Burnout-Zustandes von Therapeuten häufig eingesetzt werden:
Maslach Burnout Inventory nach Maslach und Jackson
Überdrussskala nach Pines, Aronson und Kafry
Staff Burnout Scale of Health Professionals nach Jones